Matthias Winkler

Geschäftsführer Sacher Hotels Betriebsgesellschaft mbH

Hotel Sacher – das ist jeder deutschsprachigen Person ein Begriff und steht seit langem für Tradition im ersten Wiener Gemeindebezirk. Dass Tradition und Innovation sich nicht widersprechen, zeigt Matthias Winkler, als Geschäftsführer, auf beeindruckende Weise. So gibt es neben dem traditionellen Schlüssel zum Zimmer ebenfalls die Sacher-App, jeder Mitarbeiter wurde mit einem Smartphone ausgestattet und man arbeitet bei Sacher mit Start-ups zusammen, um sich neuen Input zu holen. Von der riesigen Konkurrenz wie Airbnb oder Booking versucht man bei Sacher zu lernen – so hat man bereits selbst ein Zimmer auf Airbnb gestellt. Zudem hat man mit der Sacher School of Excellence ein Weiterbildungsformat für die Mitarbeiter geschaffen, welcher dazu beitragen soll, einen Verbleib im Hotel Sacher zu einer echten Experience zu machen.
Wie schafft man es, Leute in einem so traditionellen Unternehmen davon zu überzeugen, dass es Innovationen braucht?

Es gibt 2 wesentliche Argumente, ein sachliches: Alles hat mal als Innovation begonnen. Jene, die erfolgreich wurden, sind heute Tradition. Es gibt dennoch einen weisen Satz dazu: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ Ein Unternehmen kann also nicht von der Tradition alleine leben, sondern braucht Innovation. Und ein emotionales: die Neugier und die Freude des Ausprobierens hat doch jedes Kind, je nach Elternhaus und Schule wird das gefördert und verstärkt oder eben abgewöhnt und wegerzogen. Wir versuchen, die Freude am Neuen wieder entstehen zu lassen durch angstfreie Fehlerkultur, persönliche Freiräume und spannende Projekte abseits des Alltags. Der Vorbildrolle kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. So muss auch mein persönliches „Scheitern“ völlig transparent sein und der Lerneffekt im Vordergrund stehen.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung der nahen Zukunft an (in den nächsten 5-10 Jahren)? Und wie bereiten Sie sich auf diese Herausforderung vor?

Wir können gut abschätzen, was in den nächsten 10 Tagen passiert, wir haben bloß noch eine Idee, was in 100 Tagen sein wird und keine Ahnung, was in 1000 Tagen auf uns zukommt. Das, was wir wissen, planen wir professionell: alle Suiten für die Anreisen von morgen sind heute perfekt und individuell vorbereitet, hygienisch gereinigt, gelüftet, die Blumen richtig gestellt. Die Essenswünsche eingekauft, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freuen sich auf Gäste, die sie verzaubern dürfen. Jenen Entwicklungen und Ereignissen, die wir nicht kennen, begegnen wir mit maximaler Flexibilität und höchster Geschwindigkeit: kommt doch wieder ein neuer Lockdown, gibt es keine Stornofristen für unsere Gäste. Gibt es neue Abstandsregeln, ändern wir unser Restaurantkonzept und servieren in unseren Suiten, die damit zu Separees werden. Geschlossenen Restaurants begegnen wir mit Zustellung des Essens nach Hause, um ein paar kleine Beispiele aus dem letzten Jahr zu nennen. Ich denke, das kann man nicht verordnen und anweisen, das funktioniert nur in und mit der richtigen Unternehmenskultur. Diese aufzubauen ist ein langer Weg aber nur dieser führt zum Ziel.

Was hat Sie dazu bewogen, mit Start-ups zusammenzuarbeiten?

Wir bewundern Start-ups für ihren Mut, ihren unermüdlichen Einsatz, die Arbeitsmoral und die Begeisterung. In der Zusammenarbeit überträgt sich viel davon auf uns. Gleichzeitig lernen wir wieder unkompliziert zu denken, die Vergangenheit nicht wichtiger zu nehmen als sie ist und uns unvoreingenommen neuen Herausforderungen zu stellen. Wir lernen neue Perspektiven kennen, und vor allem: wir lernen neue Menschen kennen, die immer eine Bereicherung sind.

Welchen Stellenwert hat Weiterbildung in Ihren Augen?

Spitzenleistungen sind nur noch im Team möglich. Und zwar im besten Team. Das beste Team wiederum besteht aus Teamplayern einerseits, also Menschen, die gerne und aus Überzeugung im Team arbeiten und ihre ganze Persönlichkeit dort einbringen können. Das Team hat davon möglichst viele verschiedene, d.h. ist maximal diversifiziert. Das Führen eines solchen Teams ist damit eine sehr herausfordernde Aufgabe. Neben diesen persönlichen Eigenschaften sind andererseits natürlich Fachwissen und Lösungskompetenz wichtige harte Kriterien. Aus- und Weiterbildung wird damit zum zentralen Faktor bei der Weiterentwicklung von Unternehmen. Ein Cartoon sagt es vielleicht am klarsten. Sagt der CFO zum CEO: „Imagine, we train our people, and then they leave?“ Antwortet der CEO: „Imagine we don`t and they stay?“ Weiterbildung muss die höchste Priorität haben, für das Unternehmen und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es ist weder nur Hol- noch nur Bringschuld, es muss im beiderseitigen Interesse liegen!