Matthias Mey

Geschäftsführer Mey GmbH & Co. KG

Wir bei philoneos sind beeindruckt von dem Ideengeist und der Schnelligkeit der gesamten Firma Mey, innerhalb kürzester Zeit eine gesamte Produktion auf die Herstellung von Mund-Nasen-Schutz umzustellen und so einen wichtigen und innovativen Beitrag in der Corona-Krise zu leisten. Als Geschäftsführer hat er hier maßgeblich dazu beigetragen.
Wie gehen Sie persönlich mit Innovation, Zukunft und Unsicherheiten um?

In puncto Innovation denke ich immer sehr stark in Produkten und Prozessen. Innovation bedeutet für mich zunächst einmal: Wie kann ich für unseren Kunden einen Mehrwert schaffen bzw. wie kann ich einen gegebenen Prozess, zu günstigeren Kosten, optimieren. Aus dieser Überlegung heraus versuche ich sehr sehr stark aus Konsumentensicht zu denken. In der Organisation versuchen wir durch allerlei Maßnahmen Innovation zu fordern und zu fördern. Zum einen prozessual und zum anderen durch die Implementierung eines HITeams, welches ganz bewusst Innovation in der Organisation vorantreibt. Innovation passiert nicht aus Zufall, sondern nur dann, wenn man Innovation aktiv betreibt. Zur Bewertung der Zukunft und Unsicherheit muss man zunächst einmal seinen Status bestimmen. Ein gutes Beispiel ist die aktuelle Corona-Krise! Wie ist meine Marktpositionierung? Wie kann mich/uns die Krise treffen und in welcher Härte? Daraus abgeleitet landet man ganz schnell wieder bei der Thematik Innovation. Wir haben uns Mitte/Ende März sofort überlegt, welche Alternativen es zur Wäsche gibt. Der plötzliche Bedarf an Schutzkleidung insbesondere Mund-Nasen-Schutz und Schutzkittel war über Nacht über uns hereingebrochen. Durch die Anpassung unserer Produktionsstruktur haben wir umgehend reagiert. Im Grunde nichts anderes als eine Innovation – wir konnten sehr schnell einen Mehrwert bieten. Wir haben die Mitarbeiter und auch die in Europa angesiedelten Lieferanten dazu. Dadurch konnten wir mit unserer Manpower ad-hoc auf die Zukunft reagieren und haben unser textiles Know-how auf die Produktion von Schutzkleidung adaptiert.

Wie hat Mey es geschafft, so schnell die gesamte Produktion umzustellen?

Mey hat es deshalb geschafft, da ein Großteil der Wertschöpfung eben immer noch in Deutschland stattfindet. Allein hier am Standort in Albstadt haben wir 125 Nähkräfte, Deutschlandweit konnten wir umgehend auf eine Produktionskapazität von ca. 500 Modenäher/innen zurückgreifen. Insgesamt verfügen wir über einen Maschinenpark an unseren Standorten Deutschland, Ungarn und Portugal von insgesamt 2.000 unterschiedliche Nähmaschinen. Somit war es für uns relativ einfach in kürzester Zeit (in 2-3 Tagen übers Wochenende) eine entsprechende Fertigungsstraße aufzubauen.

Was macht die Corona-Krise mit der Mode-Industrie und wo sehen Sie Mey in Zukunft?

Die Corona-Krise hat drastische Folgen für die Mode-Industrie. Zum einen sind obsolete Geschäftsmodelle stark von der Pandemie betroffen, d. h. den stationären Handel sowie auch Marken und Anbieter ohne Profil, welche zuletzt mit sehr geringen Margen überlebt haben, hat die Krise massiv getroffen, was in letzter Konsequenz die Insolvenz bedeutet. Auch die Schließung von 62 GALERIA Karstadt Kaufhof Filialen wird in Deutschland Auswirkungen auf diverse Hersteller und Mainstream Marken haben. Zum anderen wird sich ggf. auch der Konsum etwas verändern. Die Ganzen Entwicklungen wie Home Office oder Cocooning wird massiven Einfluss auf die Bekleidungskultur und das Trageverhalten haben. Wir wünschen uns zwar, dass der Trend zum bewussteren Konsum steigt, doch es bleibt abzuwarten, wie sich die wirtschaftliche Situation, insbesondere in Deutschland, entwickelt. Wenn die Menschen über weniger Netto-Einkommen verfügen, wird das in der Konsequenz ihr Konsumverhalten verändern. Speziell in der Wäschebranche – unter Berücksichtigung der Preislage, in der wir uns befinden – kann das Business anspruchsvoller werden.